Pressemitteilung: Umsetzung der Behindertenrechtskonvention – Petition nimmt Politik in die Pflicht

Pressemitteilung: Internationaler Tag der Gebärdensprache – 12.497 Unterzeichnende
fordern die Einbindung von Gebärdensprache ins Bildungssystem

Umsetzung der Behindertenrechtskonvention – Petition nimmt Politik in die Pflicht

Dresden, den 21.09.2018 – Diesen Sonntag (23.09.2018) findet zum ersten Mal der von der UN im
Dezember 2017 ernannte “Internationale Tag der Gebärdensprachen” statt. Begleitet wird er von der
seit 1958 jährlich veranstalteten “Internationalen Woche der Gehörlosen”.
Der richtige Moment, um die Politiker von Bund und Länder an die Umsetzung der in den UN-
Behindertenrechtskonvention festgeschriebenen Rechte zu erinnern, findet Magdalena Stenzel, die
Mutter eines gehörlosen Kindes: “Aktuell besteht sowohl in Gehörloseneinrichtungen, als auch in
Regeleinrichtungen ein dramatischer Mangel an barrierefreien Bildungsangeboten für Kinder mit
Hörbehinderung.”

Über 12.000 Unterschriften und prominente Unterstützung hat die Sprecherin des Netzwerkes
BilingualERleben mit der Petition “GEBÄRDENSPRACHE UMSETZEN! BILINGUAL – BIMODAL –
ENDLICH NORMAL!*” bereits hinter sich versammelt, um auf die Benachteiligung gehörloser Kinder
beim Bildungsangeboten aufmerksam zu machen. Unterstützt wird die Kampagne u.a. durch die Stadt
Dresden, zahlreiche Politikerinnen und Politiker aus Bundes- und Landtagen, die sächsische
Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, sowie vom Deutschen Gehörlosen-Bunde e.V.

Hürden abbauen und Beratungsstellen einrichten!
Die Kritik der Initiatorin: Unklare Verwaltungswege und der Mangel an Fachkräften führen dazu, dass
Gehörlose von Chancengleichheit und Teilhabe im Bildungswesen ausgeschlossen werden. Es fehlte
zudem eine unabhängige Beratungsstelle. Bislang klagen bundesweit Eltern vielfach dringend
benötigte Elternkurse und Assistenzzeiten für KiTa- oder den Schulalltag ein.

Betroffen sind ca. 80.000 Gehörlose in Deutschland. Von 1.000 Kindern wird eins gehörlos geboren,
einige werden im Verlauf ihres Lebens gehörlos. Hinzu kommen etwa 140.000 Schwerhörige, die laut
dem deutschen Schwerhörigenbund auf einen Gebärdensprachdolmetscher angewiesen sind.

Expertinnen weisen darauf hin, dass die Erwartungen an Hörprothesen wie dem Cochlea Implantat,
zu hoch seien. “Wenn der Erwerb der gesprochenen Sprache nicht ausreichend gelingt, laufen diese
Kinder Gefahr in ihrer gesamten kognitiven Entwicklung verzögert zu sein oder sogar bleibende
Defizite auszubilden. Eine Rehabilitation, die die Gebärdensprache frühzeitig einbezieht, kann eine
derartige negative Entwicklung verhindern”, so Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Gisela Szagun.

Ein Recht laut UN-Behindertenrechtskonvention
Auch die deutsche Sprachwissenschaftlerin Dr. Helen Leuninger schließt sich der Kritik der Petentin
an und verweist auf bereits geltendes Recht: “Es muss doch selbstverständlich sein, dass tauben
Kindern und Schülern ihre Sprache als Unterrichtsfach angeboten wird. Mit der aus der UN-
Behindertenrechtskonvention sich ergebenden Gleichstellung folgt dies zwingend.”

Anlässlich der Petition haben sich Eltern aus dreizehn Bundesländern vernetzt: “Wir werden die
Petition im jeweiligen Land einreichen und uns einbringen”, so Initiatorin Magdalena Stenzel.

*) meint deutsche Gebärdensprache und Deutsch als Lautsprache bzw. Schriftsprache

Kurzlink der Petition: www.openpetition.de/!gehoerlosekinder

Youtube-Video zur Petition: https://www.youtube-nocookie.com/embed/s0kn0uJT8Xk?rel=0&showinfo=0&autoplay=1

Bildmaterial im Anhang (Initiatorin Magdalena Stenzel mit gehörlosen Sohn)

Kontakt zur Petitionsstarterin Magdalena Stenzel: bilingualerleben@gmx.de

Falls sie nicht erreichbar ist, können Sie bei openPetition eine Nachricht hinterlassen:
Tel 030 234 750 39 oder redaktion@openpetition.de