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2021, Online

Kathrin Löffelholz

Jahrestagung „Familien und Social Media - Segen und Fluch"

Unsere Familientagung zum Thema „Familien und Social Media - Segen und Fluch" war bereits für 2020 geplant gewesen. Auch in diesem Jahr konnte die für die Familien so wichtige Tagung leider wieder nicht in Duderstadt stattfinden. Die Chance des Begegnens und Wiedersehens wollten wir aber nicht ganz ausfallen lassen. Und so haben wir uns für eine Online-Vortragsreihe mit vier Gastvorträgen über mehrere Monate verteilt entschieden. Traditionell zu Christi Himmelfahrt, am 13.05.2021, startete unser Programm mit einer Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder. Das Kinderbetreuerteam hatte sich bereits im Februar an einem Wochenende getroffen und ein bilinguales Programm mit Geschichten, Ideen und Aufgaben erstellt. Die Videos konnte von den Familien zu Hause gemeinsam geschaut werden.
Danach ging es weiter mit unserem Kennlernabend. Wir haben im letzten Jahr viele neue Mitglieder gewinnen können und wollten so den neuen und schon bekannten Familien die Möglichkeit zum Kennenlernen und Wiedersehen geben. Mit einem Kennenlernquiz zum Bundeselternverband begann unserer Runde mit ca. 30 Familien. Anschließend berichteten die Kinder und Jugendlichen Lorenz, Mara und Lukas wie die letzten Monate in der Schule bzw. zu Hause für sie gewesen sind. Sie berichteten von vielen Stunden online am PC zu Hause, dass sie einige Monate nicht in der Schule waren und Kontakte zu MitschülerInnen und LehrerInnen vermissten.
Danach begann ein Austausch über die Themen, die gerade für die Eltern wichtig waren und sind. Und schnell zeigte sich, dass es das Thema Gebärdensprache als Unterrichtsfach und dessen Aufnahme in den Lehrplan ist, was alle Eltern in Deutschland sehr beschäftigt sowie der Wunsch nach noch mehr Netzwerkarbeit zwischen den einzelnen (Eltern)verbänden.
Nachdem Themenvorschläge- und Wünsche für die nächste Jahrestagung gesammelt wurden, standen zwei Räume zur Verfügung, in denen sich die Mitglieder jeweils in Begleitung von zwei Dolmetscherinnen austauschen konnten.

„Medienerziehung - Digitale Inhalte bewusst und aktiv nutzen“

Am 14.05.2021 vormittags begann unser erster Vortrag. Die Medienpädagogin Selma Brand vom Verein „Blickwechsel e.V. - Verein für Medien- und Kulturpädagogik“ gab uns einen Einblick in die Medienerziehung und zeigte uns viele interessante sowohl positive als auch negative Beispiele von Medienangeboten. Sie erklärte, dass die Eltern die Dauer der Nutzungszeit ihrer Kinder im Blick haben sollen, ab einem gewissen Alter jedoch auch Nutzungszeiten mit den Kindern vereinbaren sollten. So könnte die Eigenverantwortlichkeit der Kinder gefördert werden. Die Kinder können dies je nach Alter beispielsweise mit einer Eieruhr selbst kontrollieren oder man trifft die Vereinbarung „Du spielst eine Runde und danach gibst du mir das Tablet.“. Hält sich der Nachwuchs nicht an die Vereinbarung, wird für den folgenden Tag die Medienzeit gestrichen. Dies Konsequenz sollte den Kindern jedoch immer vorher bekannt sein.
Frau Brand erklärte auch, dass Eltern einen Unterschied machen sollten zwischen aktiver und rezeptiver Medienzeit. Erstellen sich die Kinder beispielsweise selbst ein Comic am PC oder nehmen an einer Zoomsitzung teil, zählt das zur aktiven Medienzeit. Damit ihr das vereinbarte Kontingent zur Mediennutzung wie TV schauen oder Computerspielen noch nicht benutzt.
Wichtig sei es auch mit den Kindern über Geschautes zu sprechen/gebärden und ihnen klar zu machen, dass beispielsweise der Influencer für seine Inhalte Geld bekommt oder dass die Kinder immer Bescheid sagen können, wenn sie etwas Verstörendes gesehen haben oder bei einer Sache kein gutes Gefühl haben.
Parallel zum Vortrag hatten das Kinder- und Jugendteam wieder Medieninhalte wie eine Geschichte und eine 1-Monat-Bewegungs-Challenge für die gesamte Familie vorbereitet.

„Mein digitaler, beruflicher und kreativer Weg“

Am 19. Mai 2021 abends setzten wir unsere Vortragsreihe mit Benedikt J. Sequeira Gerardo - Bengie - fort. Er ist vielseitig beschäftigt und Medien spielen dabei sehr oft eine Rolle. Er erzählte uns von seinen schon frühen Berührungspunkten mit Computern, durch seinen Vater, der von Beruf Programmierer ist. Durch ihn lernte er HTML kennen und er beschäftigte sich mit der „Welt“ des Programmierens und digitalen Gestaltens im Selbststudium. Bengie verbrachte viel Zeit mit dem Aufbau von Websiten, was ihm später auch die Türen für seinen Beruf- und Bildungsweg öffnete. Bengie bewerte für sich, die Medien als einen Segen.

„Mediale Welten von Kindern und Jugendlichen“ und „Identität und Selbstdarstellung – krank oder cool?“

Frau Brammer, Herr Bouwer und der Schüler Lukas von der Stabsstelle Digitalisierung bei der Senatorin für Kinder und Bildung Bremen gaben uns am 08.06.2021 einen weiteren Einblick in die mediale Welt geben. Unter dem Thema „Mediale Welten von Kindern und Jugendlichen“ und „Identität und Selbstdarstellung – krank oder cool?“ berichtete der Schüler Lukas von seiner eigenen Mediennutzung und stellte uns Eltern die soziale Netzwerke Instagramm, Snapchat, TikTok und Discord vor.
Die Referenten erklären, dass Erziehung über Vorbilder stattfindet. Da sich der Onlinebereich seit den letzten 20 Jahren rasant weiterentwickelt und verändert hat, fehlen Erwachsenen diese Vorbilder und das macht die Erziehung von Kindern in diesem Bereich für Eltern schwieriger.
Die Referenten erklärten, dass Kinder und Jugendliche, früher wie heute, genauso das Bedürfnis hatten und haben zu kommunizieren, nur wählen sie dafür heute oft den digitalen Weg. Wichtig sei es, den Kinder Interesse für ihre sozialen Medien zu zeigen, diese aber dabei nicht zu überwachen, indem Eltern Kindern über einen eigenen Account „folgen“. Das empfindet der Nachwuchs als peinlich.
Um die Mediennutzung zeitlich im Blick zu behalten und Unmut über zu langes Sitzen vor dem Bildschirm zu vermeiden (auch von Eltern), hat Brammer den Tipp einen Mediennutzungsvertrag mit den Kindern abzuschließen, den sowohl die Eltern als auch die Kinder unterschreiben sollten (www.klicksafe.de). Generell weist Brammer daraufhin, dass man mit seinen Kindern besser Erwartungen statt Zeiten vereinbaren sollte. Also nicht 20 min Hausaufgabenzeit, sondern stattdessen die Erledigung der Hausaufgaben.
Im Vortrag wurde auch das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Handys für die Kinder und Jugendlichen unter dem Begriff „Die Konvergenz der Trägermedien“ geschärft. Wo früher viele verschiedene Geräte genutzt wurden, beispielsweise Buch, Computer, Telefon, Brief, Fotokamera… benötigen wir heute lediglich unser Handy und können damit die verschiedenen Medien und Dinge in einem Gerät vereinbaren. Die eigene Identität drücken die Kinder und Jugendlichen mit gewählten Hintergründen, Handyhüllen, Signaltönen, uvm. aus. Es sollte daher niemals eine Strafe sein, das Handy zu beschlagnahmen, da sich Jugendliche darüber Identifizieren, ihre Identität ausbilden und dies ein wichtiger Bestandteil beim „Abnabelungsprozess“ sei.

„Wie können wir uns selbst vor negativem Ballast, unsachlicher Kritik schützen“

Der letzte Vortrag unserer diesjährigen Vortragsreiche wurde am 07.10.2021 von Betty Schätzchen zum Thema „Wie können wir uns selbst vor negativem Ballast, unsachlicher Kritik schützen“ gehalten. Menschen sind von Grund auf neugierig und schlechte Nachrichten verbreiten sich gut. Gepaart mit der Tatsache, dass wir gemocht werden wollen, entstehen oft unklare und unachtsame Kommunikation in den sozialen Medien. Oft wird problem- statt lösungsorientiert gedacht. Das müssen wir umkehren und bewusst reflektieren was die Kommunikation mit uns macht. Belastendes sollten wir ausstellen, sodass wir die Medien kontrollieren und nicht sie uns. Betty zeigte uns Handlungsschritte, wie wir selektieren können, ob wir auf Nachrichten/Posts reagieren und wie wir beurteilen können, ob Antworten darauf zielführend also lösungsorientiert sind oder uns einfach nur Zeit raubt.
Wir bedanken uns bei allen Referenten und Unterstützern für diese bereichernden Vorträge!
Kathrin Löffelholz für den Bundeselternverband

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Über uns

„Eltern beginnen immer am gleichen Punkt und alle müssen ganz persönlich denselben mühsamen Weg gehen. Sie gilt es aus gemeinsamer Verantwortung zu begleiten, da mit uns auch jemand gegangen ist.“

Peter Donath, Ehrenvorsitzender BGK

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Magdalena Stenzel
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