Tagungsbericht 2018 von Liane Blättel

Macht mit – seid fit! Was gibt mir Mut, was tut mir gut?

Unter diesem Motto fand die diesjährige Tagung des Bundeselternverbands gehörloser Kinder in Duderstadt vom 10.05.- 13.05.2018 statt.
In diesem Jahr reisten ca. 250 Teilnehmer an, darunter viele Kinder und Jugendliche, die sich bereits viele Monate auf diese gemeinsamen Tage gefreut hatten. Die Kinder konnten an einem abwechslungsreichen und spannenden Programm in verschiedenen
Altersgruppen teilnehmen. Taube Kinder, hörende Kinder und Kinder mit Cochlea Implantat fanden sich hier zusammen und wurden von hoch motivierten Betreuern begleitet.
Für die Eltern bedeutete das lange Wochenende, sich austauschen zu können, an interessanten Vorträgen und Workshops teilnehmen oder einfach mal plauschen zu können – und das natürlich bilingual.
Das ist es, was die Himmelfahrtstagung trägt. Die Inhalte der Tagung, seien es Vorträge oder Workshops, werden von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt. In diesem Jahr gab es außerdem noch eine Besonderheit: In den Pausen hatten die Eltern
die Gelegenheit einen „Pausendolmetscher“ in Anspruch zu nehmen. Dies wurde intensiv genutzt und kam bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen sehr gut an.
Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Christian Rathmann, Leiter der Abteilung Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetscher am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt Universität Berlin. Auf Anfrage unserer Präsidentin Katrin Pflugfelder hatte Prof. Rathmann erfreulicherweise sofort zugesagt. In seinem Vortrag “Spracherwerbserfahrungen – Persönliche Perspektiven“
erzählt C. Rathmann von sich und seinen mehrsprachigen und multimodalen Spracherwerbserfahrungen.
Am Freitag Morgen referierte Patricia Hermann-Shores darüber, wie man die Stärken und Potentiale seines Kindes mittels Gebärden-und geschriebener Sprache verbessern kann.
Am Nachmittag konnten die Teilnehmer unter drei Workshops wählen:
Titus Bailer vertiefte seinen Vortrag vom vergangenen Jahr zum Thema „Hörgeschädigt und hochbegabt – Mythos oder Realität?“.
Fabian Spillners Thema war: „The Walking Smombies“.
Patty Shores Titel lautete: „Nicht Hören und doch dazugehören“.
Nach den Workshops fand die alljährliche Mitgliederversammlung statt, in der unter anderem der Tätigkeits- und Finanzbericht 2017 vorgestellt wurde.
Der Freitag klang mit einer Gute-Nacht-Geschichte für die Kleinsten aus und wer mochte, konnte sich noch sportlich betätigen.
Samstag Morgen stand den Teilnehmern zur freien Verfügung. Wer Lust dazu hatte, konnte an organisierten Ausflügen mit Dolmetscher teilnehmen oder machte bei herrlichem Wetter einen Stadtbummel.Am Mittag hatten Eltern die Möglichkeit, Erfahrungen aus ihrem Alltag zu berichten oder Aktivitäten vorzustellen. Nach einer kurzen Stärkung bei Kaffee und Kuchen fanden erstmalig in diesem Jahr Workshops statt, an denen Eltern und Kinder
gemeinsam teilnehmen konnten. Diese wurden von Eltern und eingeladenen Experten geleitet. Es gab folgende Angebote: „Streetdance“, „Fußball“, „Yoga“, „Fotografie“, „Jonglieren“. Juho Saarinen z.B. hielt einen Workshop mit dem Titel: „Mut macht
auch vor Erwachsenen nicht halt“.
Nach der ausgiebigen körperlichen Betätigung konnten sich alle beim traditionellen Grillabend stärken. Im „kulturellen Abendprogramm“ wurden daraufhin die Inhalte der Workshops vom Nachmittag aufgegriffen und von einigen Teilnehmern unterhaltsam dargeboten.
Am Sonntag fand die Auswertung der Tagung statt. Hier konnten Eltern mitteilen, was ihnen gut gefallen hatte und dem Vorstand Anregungen für das nächste Jahr mit auf den Weg geben. Und dann hieß es Abschied nehmen. Meine Familie und ich fuhren mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause. Es waren
gelungene vier Tage! Bis zum nächsten Jahr in Duderstadt.