Tagungsbericht 2019 – „Ich, Die oder Wir? – verbunden statt verlassen!“

Wir fahren auf den Parkplatz in Duderstadt, einige Autos parken schon, wer ist schon da? Und dann sehen wir die ersten Hände durch die Luft wirbeln, wir sind wieder da, zum 6. Mal in Duderstadt. Vertrautheit, Freude und ein bisschen Aufregung kommt auf. Gleich sehen wir die vielen vertrauten Gesichter, freuen uns auf die herzlichen Umarmungen und frohes Kinderlachen. Wer ist wohl in meiner Kindergruppe und wer sind meine Betreuer, welche neuen Familien lernen wir kennen? Und gleichzeitig ist da ein Gefühl der Traurigkeit, weil wir wissen, dass ein Freund nicht mehr dabei sein kann.

Wenig später sitzen wir im ersten Vortrag und sind angekommen. Mit dem Wissen, unsere Kinder sind gut aufgehoben bei lieben gebärdensprachkompetenten Betreuern und zusammen mit anderen Kindern, die gebärden können und unsere Kinder verstehen – für uns eine Besonderheit.

„Ich, Die oder Wir? – verbunden statt verlassen!“ ist dieses Jahr das Motto der Tagung, die vom 30.05. – 02.06. stattfindet und von 240 Personen besucht wird. Wir fühlen uns immer wieder aufs Neue verbunden, auch weil wir von anderen Eltern erfahren, dass ihr Alltag von ähnlichen Situationen und Themen bestimmt ist, wie unserer. Auch verbunden fühlen wir uns, weil die Referenten die Themen aufgreifen, die uns beschäftigen, wie beispielsweise Prof. Dr. Johannes Hennies, Professor für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, der zu, für unsere Kinder so wichtigen, Peerkontakten in der Schule referiert. Er zeigt uns auch, dass es schon einige Einrichtungen gibt, die gezielt Angebote für Peers bereithalten.

Auch die anderen Referenten lassen uns an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben, wie Dominik Nimar, der durch lange Suche und Tatendrang seinen Traumberuf gefunden hat und uns mit auf den Weg gibt: „Finde Gleichgesinnte.“ Viele besuchen die Workshops von Fabienne Schwartz („Achtsam & aktiv – Präventionsarbeit gegen (sexualisierte) Grenzverletzungen“), Svenja Fox („Starke Kinder, starke Familien“) und Katharina Mitterhuber („Vorlesen – leicht gemacht“) und nehmen Inspirationen für zu Hause mit.

In der Pause erzählt jeder wie es ihm im letzten Jahr ergangen ist: Wie läuft es in der Kita? Für welche Schule habt ihr euch entschieden? Wo habt ihr euren Hausgebärdensprachkurs beantragt? Manche fühlen sich überfordert, im Hamsterrad zwischen Bedarf erkennen, Antrag stellen, Widerspruch einlegen, Bedarfe und Notwendigkeiten erklären und Rechte einfordern. Doch die Tatsache, dass es andere Eltern gibt, denen es genauso geht oder erging und die Antworten, Empfehlungen und Tipps geben können, tut gut.

Im Open Space beschäftigt sich eine Gruppe mit dem Thema Netzwerke und alle sind sich einig, dass die Netzwerkarbeit, wie sie im Kleinen in der Kaffeepause und jedes Jahr wieder für alle so gewinnbringend zum Tagungsthema stattfindet, größer gedacht werden muss  – wir brauchen ein dauerhaftes Netzwerk, um das ganze Jahr über miteinander verbunden zu sein und Ressourcen zu bündeln.

Und dann steht die gut besuchte und in diesem Jahr besonders spannende Mitgliederversammlung an, denn viele der bisherigen Vorstandsmitglieder stellen ihre Ämter nach vielen Jahren großen Engagements zur Verfügung. Auch in der Geschäftsstelle gibt es Veränderungen zu vermelden und so dankt der Bundeselternverband Katja Belz beim kulturellen Abschlussabend für ihre unermüdliche und wegweisende Arbeit in den letzten 20 Jahren, zuerst im Vorstand und danach in der Geschäftsstelle und in der Beratungsstelle „Eltern beraten Eltern“.

Während wir Vorträge und Workshops besuchen, haben auch unsere Kinder Spaß. Sie unternehmen einen Ausflug zur HeinzSielmannStiftung und bekommen Besuch von der Feuerwehr und dem DRK. Sie dürfen experimentieren, basteln und einfach die gemeinsame Zeit zusammen genießen. Die Jugendlichen können aus verschiedenen Workshops zu unterschiedlichen Themen auswählen und an einer auf sie abgestimmte mittelalterlichen Führung in Duderstadt teilnehmen.

Die Zeit vergeht wir im Flug, plötzlich ist schon Sonntag, Abreisetag. Wir nehmen uns das Duderstadt-Gefühl mit nach Hause, bleiben verbunden und freuen uns schon auf nächstes Jahr.

Kathrin Löffelholz