Erfahrungsberichte

Wie jedes Jahr waren die Ehrfahrungsberichte einzelner Teilnehmer für mich wieder ein absolutes Highlight.
Den Anfang machte eine gehörlose ca.12 jährige Tochter gehörloser Eltern
Sie sprach von ihrem Wunsch auf eine Regelschule gehen zu wollen und den Schwierigkeiten, die dies mit sich bringt. Sie erzählte davon, dass es Probleme mit der Finanzierung gab und benötigte Anträge nicht bewilligt wurden. Sie geht deswegen weiterhin auf eine Förderschule.

Die Schwester eines gehörlosen Zwillingsbruders, berichtete über das Zusammenleben aus der Sicht eines Geschwisterkindes. Inklusive aller positiven und negativen Punkte. Laut ihrer Einschätzung wurde sie in ihrem Selbstbewusstsein und in ihrer Eigenverantwortung sehr bestärkt. Sie fühlte sich aber auch stark gefordert, da sie sehr früh Verantwortung für ihren Bruder mit übernehmen musste. Außerdem erwähnte sie, dass sie sich an die unterschiedliche Verteilung der Aufmerksamkeit über die Zeit gewöhnt hat. Die beiden haben sich unterschiedlich entwickelt und gehen nicht auf dieselbe Schule.

Eine rührende Geschichte erzählten zwei junge hörende Eltern eines gehörlosen Kindes mit 2 CIs, die in der Anfangsphase sehr unterschiedlich beraten wurden und denen empfohlen wurde komplett auf das CI zu setzen. Sie entschieden sich dann allerdings aus eigener Hand für die Gebärdensprache und kämpfen seitdem für bessere Aufklärung und Bewilligung und Finanzierung von Gebärdensprachkursen für zu Hause. Ihnen hilft die Tagung sehr, da sich ihr Sohn unbeschwert mit anderen gehörlosen Kindern beschäftigen kann und sie die Hilfe und den Rat von anderen hörenden sowie gehörlosen Eltern sehr schätzen.

Von einem Kampf berichtete auch die Mutter eines gehörlosen Schulkindes, die es geschafft haben, in der Regelschule, die ihr Kind besucht, den Klassenraum, sowie den Aufenthalts-und Essensraum umbauen und komplett den Bedürfnissen ihres Kindes anpassen zu lassen.
Die entsprechende Schule hatte dies vor einigen Jahren schon einmal gemacht, hat diesen Raum jetzt allerdings neu renoviert und auf den neuesten Stand gebracht.

Der nächste Bericht stammte von dem gehörlosen Vater eines gehörlosen Sohnes, der von den Kindergartenerfahrungen seines Sohnes berichtete. Interessant war hierbei, dass die Kommunikation ohne Dolmetscher immer direkt über das Kind lief, allerdings sobald die Dolmetscherin anwesend war, die hörenden Kinder lieber den Umweg über eben diese gewählt haben.

Außerdem erzählte die Mutter eines 5.Klässlers über die Dortmunder Realschule auf die ihr Sohn geht Sie wurde allerdings schnell von ihm und 3 Kindern aus den Klassen 5-6 aus dieser Schule abgelöst. Sie fühlen sich dort sehr sehr wohl und auch die Kommunikation funktioniert super. Da waren sich alle 4 Kinder, sowie die Eltern einig.

Ebenfalls meldete sich eine Mutter zu Wort, die außerdem Frühförderin ist und beschrieb ihren Kampf den Kindergarten behindertengerechter zu gestalten, als auch das Programm anzupassen und die Morgenrunde z.B. in Laut- und Gebärdensprache anzubieten. Ein weiteres Problem, was sie aufzeigte war, dass inklusive Kindergärten zwar funktionieren, aber das das Leben auf dem Hof so schnell ist, das dort den hörenden Kindern oft die Geduld fehlt die Aufmerksamkeit des gehörlosen Kindes zu gewinnen, da man es nicht einfach rufen kann.

Die Berichte waren wie jedes Jahr ein Ansporn und eine Motivation für all die Eltern, die noch kämpfen und eine Bestätigung für die, die schon so viel geschafft haben.
Ich freue mich jedes Jahr wieder von Familien zu hören, die trotz all der Frustration und den Rückschlägen nie aufhören sich für ihre Kinder einzusetzen.
Es war also kein Wunder das auch dieses Jahr wieder so eine Tränen flossen.

Lea Belz (23)