Prof. Dr. Gisela Szagun: Sprachentwicklung bei Kindern mit Cochlea-Implantat

Frau Prof. Dr. Gisela Szagun stellte ihre Forschungsergebnisse mit viel Schwung und in entspannter Atmosphäre eindrucksvoll dar.
Ein besonderes Merkmal beim Spracherwerb bei Kindern mit einem CI ist die enorme individuelle Variabilität. Warum das so ist, lässt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Untersuchungen, die aber ausschließlich einen Aspekt, z.B. das Implantationsalter der Kinder, herausgreifen, werden der Komplexität des Themas eher nicht gerecht.

Im Folgenden sind einige Forschungsergebnisse von Gisela Szagun aufgelistet, die u.a. in der Zusammenarbeit mit dem CIC Hannover entstanden. Sie beziehen sich ausschließlich auf einsprachig mit Deutsch als gesprochener Sprache aufwachsenden Kindern ohne weitere Beeinträchtigungen, die das Implantat zwischen sechs und 47 Monaten erhielten:

  • Ein Spracherwerb, der dem natürlichen gleicht, ist möglich.
  • Es gibt jedoch keine Garantie auf einen solchen Spracherwerb. Eine Prognose für ein individuelles Kind lässt sich zum Zeitpunkt der Implantation nicht stellen.
  • CI-Kinder erwerben die Lautsprache überwiegend langsamer als normal hörende Kinder.
  • Selbst bei optimalem Sprachererb ist es wahrscheinlich, dass kleine Schwächen in der Sprache verbleiben, u.a. beim Gebrauch von bestimmten Artikeln.
  • Der Spracherwerb verläuft grundsätzlich besser bei einer Implantation vor dem vierten Lebensjahr.
  • Es gibt aber bisher keine fundierten Belege dafür, dass der Spracherwerb bei Implantation im ersten Lebensjahr besser verläuft als bei Implantation im zweiten Lebensjahr.
  • Der Zeitpunkt einer Implantation im Verlauf des zweiten Lebensjahres ist nach G. Szagun besonders geeignet. Dieses gilt für Kinder mit einer angeborenen Gehörlosigkeit.
  • Es ist daher nicht nötig, dass sich Eltern zu einer Entscheidung für oder gegen eine Implantation drängen lassen, denn auf ein paar Monate kommt es nicht an. Besser ist es, nach bestem Wissen zu entscheiden und die eigenen Gefühle zu bewältigen.
  • Unabhängig vom Implantationsalter kommt der elterlichen Sprache eine große Bedeutung zu.
  • Bei einer verlangsamten Sprachentwicklung besteht die Gefahr von Entwicklungsverzögerungen, daher sollte mit dem Einsatz der Gebärdensprache rechtzeitig (!!!!) begonnen werden.
  • Der Erwerb der Gebärdensprache behindert den Erwerb der Lautsprache nicht. Es gibt keine Evidenz für den schädlichen Einfluss von Gebärdensprache auf den Lautspracherwerb.
  • Im Gegenteil: die Lautsprache kann auf der Gebärdensprache aufbauen.

In diesem Sinne: es gibt noch viel zu tun – packen wir´s an …

Birgit Appelbaum, Moers