TB: St. Goldschmidt: „Wie kann ich meinem Kind die Gehörlosenkultur vermitteln?“

Stefan Goldschmidt, der taube Lektor der Universität Hamburg, gab eine Präsentation zum Thema „Wie kann ich meinem Kind die Gehörlosenkultur vermitteln?“.

Zu Beginn der Präsentation wurde eine Definition von Kultur nach Trompenaar gegeben: Ein Fisch spürt erst dann, dass er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt.
Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie. 
Das bedeutet, dass unsere Gehörlosenkultur ein sehr wichtiges Merkmal der Gehörlosengemeinschaft ist. Ein Hauptidentifikationsmerkmal der Gehörlosenkultur ist ihre visuelle Sprache, also die Deutsche Gebärdensprache.

Die hörenden Eltern (und auch taube Eltern) können ihre Kinder fördern, indem z.B. die tauben Kinder der hörenden Elternteile die tauben Kinder der tauben Eltern treffen, Gehörlosenvereine, Kinder-/ Jugendcamps, Gehörlosen-Clubheime besuchen, oder an gezielten Ausflügen etc. teilnehmen, damit die tauben Kinder den positiven Umgang mit der Gebärdensprache und die Erlebnisse und Verständigung mit Gleichgesinnten erleben können. Ein solches Gemeinschaftserlebnis trage zur positiven Entwicklung der Kinder bei, da dies mit nachhaltigen  Identitäts- und Identifizierungsprozessen verbunden ist.
Ca. 90% der tauben Kinder haben hörende Eltern, daher benötigen diese tauben Kinder im Vergleich mehr Förderung, da hier häufig kein unmittelbarer Austausch mit tauben Kindern von tauben Eltern stattfindet.

Es gibt viele Förderungsmöglichkeiten:

  • Medien (z.B. Sehen statt Hören, Gebärdenvideos im Internet, Bücher, DVD in DGS/ mit UT…)
  • Kommunikationsanpassung an kindliche Bedürfnisse (Gebärdensprache)
  • Miteinwirkungen und Austausch an ihren Interessen
  • Angebote für Kinder/ Jugendliche (z.B. Kinderreise, Kinder-/ Jugend-Camp…)
  • Leseförderung in Gebärdensprache
  • Informative Webseite (Kindernachricht in GS auf NDR.de, Taubenschlag.de, Taubwissen.de)

Zusammenfassung:
Taube Kinder sollten die Gehörlosenkultur als Teil ihrer Identität erfahren, denn damit kann einem Gefühl von Isolation vorgebeugt werden. 

Marion Nistor , Kerpen


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