TB: Workshop „Alle Zügel in der Hand! – Und nun…?“

Zunächst einmal gaben Karen Jahn und Peter Dieler eine kurze Einführung in das Thema Entscheidungen. Je nach Fachrichtung gibt es dafür unterschiedliche Definitionen. Hinzu kommen verschiedene Einflussfaktoren, die Auswirkungen auf unsere Entscheidungen haben, wie z.B. unser Umfeld, unsere Herkunft oder auch die aktuelle Situation. Wir treffen Entscheidungen aber auch nicht nur für uns selbst, sondern unsere Entscheidungen beeinflussen auch unser Gegenüber.
Als Eltern müssen wir ständig Entscheidungen für unsere Kinder treffen und die Angst eine „falsche“ Entscheidung zu treffen ist immer dabei. Allerdings wird man aus Liebe zu seinem Kind immer die in dem Moment, aus dem momentanen Informationsstand und Situation heraus richtig scheinende Entscheidung treffen. Auch wenn sich dann später eine Entscheidung als nicht „richtig“ erweisen sollte, hat man sich nichts vorzuwerfen, denn man konnte in diesem Moment nicht anders entscheiden. Keiner kann in die Glaskugel schauen.

Der weitere Verlauf des Workshops war eher praktisch orientiert. Es wurden an eine Gruppe von Teilnehmern Spielkarten verteilt mit der Aufgabe jeder solle möglichst viele Karten sammeln. Derjenige, der nach Ablauf der Zeit die meisten Karten hat, würde später entscheiden wie es im Workshop weitergehen soll. Die anderen Teilnehmer sollten die Gruppe beobachten. Schnell kristallisierten sich verschiedene Verhaltensweisen heraus. So gab es unterschiedliche Entscheidungstypen, z.B. spontan, abwartend, die „Macher“ und Mitläufer. Bei der anschließenden Reflektion wurde dann auch auf die körperlichen Empfindungen in Entscheidungsprozessen übergeleitet. Denn wichtig ist es auch, bei einer Entscheidung auf sein Bauchgefühl bzw. seine Intuition zu hören.

Hervorgehoben wurde auch die Problematik hörgeschädigter Kinder, wenn sie in der Hörgeräte- oder CI-Anpassung oder der Förderung die Erfahrung machen müssen, dass Hören und „gut“ sprechen belohnt wird, aber Nicht-Hören unerwünscht scheint. Betont wurde abschließend die Wichtigkeit Kindern eine sichere Bindung und Förderung der Selbstständigkeit mitzugeben, damit sie nicht später z.B. aus Angst vor Fehlern, nicht in der Lage sind Entscheidungen zu treffen. Es gilt zu vermitteln, dass es in Ordnung ist Fehler zu machen, weil man daraus lernen kann.

Zum Abschluss wurde die Bedeutung einer positiven Sichtweise auf die eigene Hörschädigung und die damit verbundene Individualität, aber auch das Wissen um die eigene Hörschädigung, als Vorraussetzung dafür seine eigenen Bedürfnisse auch anderen gegenüber deutlich zu machen, hervorgehoben.

Wiebke Lüllmann, Hatten


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