Zum ersten Mal dabei

Donnerstag, Himmelfahrt, morgens um 6 Uhr: „Mama, Papa, heute fahren wir nach Duderstadt!“

Ja, die Vorfreude ist bei allen schon groß. Und natürlich auch die Aufregung. Schließlich werden wir das erste Mal dabei sein und mit all den anderen Eltern gehörloser Kinder zusammentreffen. Wie werden wir wohl aufgenommen werden? Können dort die meisten Eltern hören? Oder gehören wir dort der „Minderheit“ an?
Es hilft nichts – hinfahren und rausfinden.

Als wir nach einer langen Fahrt gegen 11.30 Uhr ankommen, treffen wir im Foyer auf eine große Gruppe junger Menschen, die alle miteinander gebärden. Nur vereinzelt nehmen wir Stimmen wahr. „Ohje, das kann ja heiter werden. Hier gebärden ja ALLE – außer uns“ – das sind die ersten Gedanken. Doch am Tisch der Anmeldung werden wir laut und deutlich, auch für uns hörende gut zu verstehen, begrüßt und bekommen unser Zimmer.

Nachdem wir uns eingerichtet haben und die ganze Familie samt Oma komplett ist, geht es ans Mittagessen und dann zur Einführung in die Tagung. So schnell haben wir noch keine Kontakte geknüpft und sitzen noch für uns ganz hinten. Fasziniert von der ganzen Atmosphäre und allem Neuen harren wir der Dinge, die da kommen werden.
Die beiden großen Kinder bringen wir in die Kinderbetreuung, wo sie herzlich aufgenommen werden und uns weder Mutter- noch Vaterherz bluten müssen. Die werden schon ihren Spaß haben – das merkt man sofort!

Unser Jüngster, der Grund für das Betreten dieser neuen Welt, wird uns einfach begleiten. So wie es auch die kleinsten der anderen Eltern ganz unkompliziert tun können. Hier meckert keiner über Kindergequengel aus der letzten Reihe. Denn was uns alle verbindet ist, dass wir ALLE liebende Eltern oder Großeltern sind. Da dürfen Kinder noch Kinder sein.

Für den Abend ist ein DGS-Kurs angesetzt. Oh wie toll, da müssen wir hin! Oma ist so lieb und sittet die Kinder, sodass wir die Möglichkeit haben sowohl am Kurs als auch am Kennenlernabend teilzunehmen. Wie schön es ist, hier noch andere Analphabeten der DGS zu treffen. Da fangen wir von Null an und lernen erstmal ganz einfache Dinge. An dieser Stelle sei ein großes Lob an die beiden Lehrer ausgesprochen! Mit viel Witz und Charme lernen wir hier nach dem Namen des Gegenübers zu fragen oder wie viele Kinder jemand hat.

Das ist eine gute Vorbereitung für den kommenden Teil des Abends. Bei den Kennenlernspielen tauen wir so richtig auf, hörende und nicht hörende lachen zusammen, lernen sich kennen und auch die Neulinge werden herzlich mit eingebunden. Als sich zuletzt alle nach Regionen zusammenfinden, hat man ein erstes Gesprächsthema und wir finden ein paar bekannte Gesichter, mit denen wir schon vor der Tagung dank des www erste Kontakte knüpfen konnten. Das ist der perfekte Übergang zum gemütlichen späten Abend in der Bar.
Wir schließen uns unserer Bekanntschaft an, die schon seit dem letzten Jahr dabei sind und wiederum durch ihre Bekanntschaften die Runde erweitern. So sitzen wir also an einem großen Tisch und es wird fleißig gebärdet, geredet, übersetzt und gelacht. Irgendwann sogar tischübergreifend, woraufhin unsere Runde noch weiter wächst. Ins Bett gehen wollen wir noch lange nicht und bleiben bis die Augen zufallen, auch dank unserer „persönlichen Dolmetscherin“ dieser vier Tage – huhu, Tina, vielen Dank!
Was wir heute gelernt haben? Pfeif auf Grammatik, wenn du DGS noch nicht kannst! Rede – rede mit Händen und Füßen! Wir werden uns schon verstehen 🙂 Für alles andere geben wir uns etwas Zeit, lernen fleißig und verlieren das Ziel niemals aus den Augen.

Denn jetzt sind wir angekommen!

Der Rest der Tagung war einfach berauschend! Die Kinder sprechen jetzt noch von ihrem „Urlaub“ in Duderstadt. Und wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

Krystina Schulz, Berlin


  1. […] Uhr Abendprogramm zum Kennenlernen Gute-Nacht-Geschichte für die […]