Fit für vielfältige Wege Familien individuell begleiten – ein Vortrag und Workshop von Cornelia Tsirigotis

tsirigotis2014.jpg-1080pIn ihrem Vortrag ging es Frau Tsirigotis in erster Linie darum aufzuzeigen, dass es nicht DEN Weg für Familien mit einem hörgeschädigten Kind gibt, sondern, dass es wichtig ist für die jeweilige Familie einen guten Weg mit ihrem hörgeschädigten Kind zu finden. Die Familien sollen „fit“ gemacht werden diesen Weg zu finden und zu gehen. Es wurde der Frage nachgegangen, was denn mit „fit fürs Leben (mit einem hörgeschädigten Kind) “ eigentlich gemeint ist: angefangen damit, dass Eltern zunächst verstehen müssen, was eine Hörschädigung für ihr Kind und die Familie bedeutet, bevor sie dann mit den Herausforderungen umgehen und schließlich einen guten Weg als Familie mit ihrem hörgeschädigten Kind finden können.

Im weiteren Verlauf des Vortrages wurde die Vielfältigkeit der Wege an Beispielen verdeutlicht: während z.B. für das eine Kind der Weg mit Gebärdensprachdolmetschern an einer Regeleinrichtung ein guter Weg ist, findet ein anderes Kind seinen Weg eher in einer Fördereinrichtung oder während die eine Familie auf Gebärdensprache setzt, wünscht eine andere Familie für ihr Kind ein Cochlea Implantat und Lautsprache mit oder ohne Gebärden(sprache).

Hier kommt den Beratungsstellen der Fördereinrichtungen eine große Verantwortung zu. Die dort tätigen Berater der verschiedenen Berufsgruppen sollten sich eher als Wegbegleiter sehen, die keine fertigen Patentrezepte im Gepäck haben. Als Wegbegleiter können sie gemeinsam mit den Familien herausfinden, wohin der Weg für diese konkrete Familie gehen könnte. Einzig und allein die Familien selbst können entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten, welche Ressourcen, welche Vorstellungen oder Wünsche sie haben. Die Berater als Wegbegleiter müssen offen sein für vielfältige Wege und diese respektieren können. Unerlässlich dafür ist eine ergebnisoffene Beratung, die nicht von vornherein festlegt oder bewertet, sondern den Familien Raum lässt ihren eigenen Weg zu finden. Neben dieser Haltung erfordert eine gute Begleitung auch fachliche Kompetenzen unter anderem aus den Bereichen Pädagogische Audiologie, Neurophysiologie des Hörens, Kenntnisse in und über Gebärdensprache, Kenntnisse über psychosoziale Auswirkungen von Hörschädigungen, Entwicklungspsychologie usw. .

Im weiteren Vortrag wurde darauf eingegangen was hörgeschädigte Kinder für ihre psychosoziale Gesundheit benötigen und was notwendig ist, um Inklusion erfolgreich zu gestalten. Genannt wurden hier unter anderem die Bedeutung von Peer-Groups, erwachsenen hörgeschädigten Vorbildern und der lebenslangen Unterstützung bei der Identitätsfindung. Darüber hinaus sind sowohl eine gelingende Kommunikation, als auch das Gefühl akzeptiert zu sein und Freundschaften Grundvorrausetzungen für erfolgreiche inklusive Settings.

Im dazugehörigen Workshop wurde gemeinsam den Fragen nachgegangen, wie man als Eltern herausfindet welcher Weg der richtige (beste) für die eigene Familie ist und wie man sein Kind stark machen kann. Außerdem wurde sich auch darüber ausgetauscht, dass es für Eltern oft ein Spagat ist allen gerecht zu werden: auf der einen Seite das hörgeschädigte Kind, auf der anderen Seite die Ärzte, Therapeuten, Pädagogen, dann wiederum die Familie, Bekannte und Freunde und in vielen Fällen auch noch die hörenden Geschwister. Es stellt sich vielen Eltern die Frage, wie man es dabei schaffen kann seine Meinung stark zu vertreten. Deutlich wurde, dass in vielen Beratungsstellen schon gute Ansätze einer individuellen Begleitung zu spüren sind, aber auch dass an machen Stellen die Beratung deutlich ergebnisoffener werden muss, damit Familien die Chance haben auf ihrem Weg individuell begleitet zu werden.

W.Lüllmann