Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Oliver Rien zum Thema: Mein hörgeschädigtes Kind in der Förder-/Regelschule – Wie kann ich als Eltern Selbstbewusstsein und Identität stärken

Rien_3149_V1.jpg-1080pZu Beginn des Vortrages machte Dr. Rien darauf aufmerksam, das der UN- Ausschuss zum Thema Inklusion in der BRD die Note 5 erteilt hat. Somit stehen wir auf einer Stufe mit den Entwicklungsländern, was zur Folge hat, das Eltern für die Rechte ihrer gehörlosen Kinder mehr kämpfen müssen. Die Inklusion in Deutschland funktioniert nicht. Die Kinder werden als behindert wahrgenommen. Deutschland ist kein behindertenfreundliches Land. Behinderte Menschen, Harz 4 Empfänger und Arbeitslose gehören zu den Randgruppen in Deutschland. Positiv ist die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache.

Herr Rien empfiehlt für schwerhörige Kinder und Kinder mit einem Cochlear Implantat die keine Deutsche Gebärdensprache benutzen, einen Schriftdolmetscher für die Schule einzusetzen.

Eine selbstbewusste Identität zeichnet sich dadurch aus, dass die Person einen geringeren Leidensdruck hat, sie kann ihre Identität anderen gegenüber positiv darstellen und im Alltag frei leben.

Für gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern haben hier einen Vorteil, da die Kommunikation durch das Verwenden der Deutschen Gebärdensprache gesichert ist und Interaktion stattfinden kann. Ein Defizit ist, das viele Gehörlose nicht wissen, wie sie einen Dolmetscher nutzen.

Das gehörlose Kind hörender Eltern wird von diesen häufig nicht als positiv erlebt, was aus einer unzureichenden und einseitigen Kommunikation geschieht. Dies kann dazu führen, dass die Kinder eine Verstecktaktik entwickeln.Träger von Cochlear Implantaten möchten „normal“ sein. Wo soll das selbstbewusste Erleben herkommen?

Die Kinder sollten von sich sagen: “Ich bin taub, na und“! oder „So, wie ich mich sehe bin ich gut“.

Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Die Kinder und Jugendlichen haben wenig Selbstbewusstsein gegenüber Hörenden und fühlen sich klein.

Dr. Rien gibt an Förderschulen Seminare, damit Schüler fitter im Umgang mit ihrer Behinderung werden. Themen sind: das Wissen über sich selbst (Selbstbewusstsein), Stärken und Schwächen, Handlungskompetenz. Er sagt: „Wer fit ist, geht auf die Regelschule“.

Die heutige Situation in den Förderschulen

  • Heterogene Klassenzusammensetzung
  • Die Kinder leben dort in einem Schonraum
  • Dort wird einfache Sprache verwendet, die Kinder werden „in Watte gepackt“
  • In der Förderschule wird man nicht auf den ungeschützten Raum vorbereitet. Im späteren Arbeitsleben wird wenig Rücksicht genommen.

Für gehörlose Kinder, die technisch nicht versorgt sind ist die Situation klar. Die Kinder sind taub und brauchen die Deutsche Gebärdensprache. Kinder mit Cochlear Implantat haben es schwerer, weil die hörende Umgebung denkt, sie können hören. Wenn Menschen mit einem Hörgerät oder Cochlear Implantat hören können, bedeutet das aber nicht gleichzeitig das sie alles verstehen können.

Wie wird personale Identiät erworben?

  • Durch die Haltung der Eltern zu ihrem hörgeschädigten Kind
    • Verarbeitung des Traumas der Eltern (Diagnoseschock)
    • Wie sehen mich meine Eltern? → Wie sehe ich mich?
  • Wie haben Eltern die Diagnose verarbeitet? Wo bleiben die Bedürfnisse der Eltern?

Dr. Rien ging kurz auf die Situation der Geschwister von behinderten Kindern als „Schattenkinder“ ein und sagte in diesem Zusammenhang, dass Kinder die Liebe ihrer Eltern in Zeit bemessen. Es kann zu Konflikten führen, wenn hier Dinge nicht gut abgesprochen bzw. besprochen werden.

Fazit:

  • Hörende Eltern möchten, dass ihr Kind hört
  • Eltern sollen ihre Kinder loben
  • Bei Feiern von gehörlosen Familien. Die gehörlosen Kinder bekommen alles mit (auch Gespräche, die sie nicht mitbekommen sollen) Bitte Vorsicht bei der Themenwahl.
  • FM- Anlage wichtig für hörgeschädigte Kinder mit Hörgeräten und Cochlear Implantat
  • Folgen einer dysfunktionalen Verarbeitung der Behinderung (Verstecktaktik, Scheinnormalität „Frag Du mal“, Rückzug)
  • Ich kann mir nie sicher sein, dass mein Kind richtig verstanden hat
  • Kinder ermutigen nachzufragen
  • Kinder sollen lernen, für sich zu sorgen (Licht an im Raum)
  • Hörende haben ein Informationsdefizit zum Thema Hörschädigung
  • Erfolgserlebnisse schaffen
  • Das professionelle Lehrer-Eltern-Gespräch
  • Welche Bedürfnisse hat mein Kind und wie bringe ich es dazu diese zu äußern?
  • Kontakte zum hörenden Umfeld des Kindes (Alles was unbekannt ist, macht Angst)

Dr. Rien empfiehlt Gebärdensprache für alle Kinder mit einer Hörschädigung, um Missverständnissen entgegen zu wirken.

Die Kinder müssen lernen, mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Er gibt den Eltern zu bedenken, wo sie ihren Kindern zu viel Verantwortung abnehmen.

Gehörlose Kinder, die die Regelschule besuchen brauchen einen guten Wortschatz um dem Dolmetscher folgen zu können.

Lehrer sind verpflichtet die Antworten der Kinder zu wiederholen (ausreichend Mikrofone). Nachteilsausgleich.

Gehörlose Menschen haben einen erhöhten Energieverbrauch, bis zu 120 %. Sie leben in einem erhöhten Spannungsfeld. Dies kann zu Depressionen, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, sozialem Rückzug, Gereiztheit, Lustlosigkeit und psychosomatischen Beschwerden führen.

Ausgleich

  1. DGS Dolmetscher
  2. Nutzung der FM-Anlage

Sie werden häufig aus Schamgefühl nicht eingesetzt. Sie sollten jedoch eingesetzt werden, um sich aus dem Kommunikationsstress heraus zu nehmen. Den Dolmetscher als Dienstleister ansehen. Es wichtig das Kinder ein Gefühl dafür bekommen.

Liane Blättel